« Jean-Michel Gasquet hat zwei Alphabete: eines, das die Ökonomie der Formen und Farben verdichtet, um Effizienz zu erzielen – hier sind die architektonischen Formen eingeschrieben – und das andere, bei dem die Linien verschwinden, treffend „Alphabet“ genannt. »
JEAN-MICHEL GASQUET
Geboren 1929 in Nîmes, gestorben 2023 in Burgund.
Kultiviert Jean-Michel Gasquet Paradoxien? Er arbeitet in Serien und lässt sich – entgegen aller Erwartungen – nicht von den Ergebnissen eines abgeschlossenen Forschungsprojekts in Selbstzufriedenheit wiegen. Ständig wird die Linie zum Strich, die Form zur Farbe und umgekehrt. Er weiß, dass, wenn jede Form oder Farbe paradox würde, ihre Behauptung Gefahr liefe, als genial wahrgenommen zu werden; deshalb bewegt er sich fortwährend von einem zum anderen, wohl wissend, dass die Lösung auch nicht in Paradoxien liegt.
Indem er die Voraussetzungen für sein finales Werk schafft, indem er unermüdlich dieselben Oberflächen überarbeitet, Lineal, Geodreieck oder Zirkel immer wieder neu positioniert, kann der Künstler seine Fragen in Form langer Sequenzen beantworten: So entstehen in Gratay innerhalb weniger Monate etwa vierzig Gemälde. Sie tragen Titel wie „Abschrägungen“, „Alphabet“ oder, in jüngerer Zeit, die Serie „Rozand“. Jean-Michel Gasquets Werk kennt zwei Alphabete: eines, das die Formen und Farben auf das Wesentliche reduziert, um Effizienz zu erzielen – hier sind die architektonischen Formen eingeschrieben –, und eines, in dem die Linien verschwinden, treffend „Alphabet“ genannt.
Jean-Michel Gasquets Intuition führte ihn in die Fußstapfen großer Meister und radikalisierte seinen Umgang mit Farbe. Vor acht Jahren folgte seine Serie horizontaler Farbbänder auf eine Reihe flächiger Polygone in Primärfarben – eine Anspielung auf die bemalten Spielsachen seiner kleinen Tochter. In späteren Sequenzen kamen dann Abschrägungen hinzu, die Pastellformen offenbarten, ergänzt durch leuchtend weiße Bänder auf großen, matten weißen Flächen. Die so entstehende optische Dynamik ruft eine beinahe metaphysische Empfindung hervor, ähnlich der mancher Gemälde Malewitschs.
Auszüge aus „Balance und Intuitionen“
Im freundschaftlichen Dialog mit Jean-Patrice Rozand entwickelte Jean-Michel Gasquet einen skulpturalen Ansatz in seiner Malerei. In seinen weißen Werken wirken durchscheinende oder leicht graue Formen wie Totems, die aus dem Nebel emporsteigen.
Diese Winkel, Halbmonde und Rauten erinnern auf seltsame Weise an die verschiedenen Facetten, die Jean-Patrice Rozands Skulpturen je nach Blickwinkel offenbaren. Auf den ersten Blick vermitteln sie aufgrund ihres Materials, Cortenstahl, einen Eindruck von Massivität, doch bei näherer Betrachtung offenbaren sie eine große Zerbrechlichkeit, eine beinahe ätherische Qualität, die aus einem fragilen Gleichgewicht resultiert.
Werke in Museen und öffentlichen Sammlungen
Museum von Mâcon, Frankreich
Museum Ritter Deutschland
Auswahl der Hauptausstellungen
2007 Museum Ritter, Waldenbuch, Deutschland
2007/2008 Hafenmeisteramt von La Grande Motte
2009 Stattgalerie Klagenfurt, Österreich
© 2010 Messmer Stiftung, Riegel, Deutschland
2012 Ursulinenmuseum, Mâcon
Eine Auswahl der im Shop erhältlichen Werke
Eine Auswahl an Drucken ist im Shop erhältlich