Andreas Brandt

© David Brandt

« Wir können nur über die Methode sprechen. »

ANDREAS BRANDT

Geboren 1935 in Halle an der Salle, Deutschland, gestorben 2016 in Deutschland.

Andreas Brandt zählte zu den asketischsten Vertretern der Konkreten Kunst und war bekannt für die konsequente Verwendung gerader Linien und gleich breiter Streifen auf monochromem Grund. Nach seinem Biologiestudium an der Universität Halle (Abschluss 1954) zog er nach West-Berlin, wo er 1961 sein Studium an der Hochschule für Bildende Künste Berlin abschloss. 1970 hielt er einen Gastvortrag an der HfbK Berlin. Als Mitglied des Deutschen Künstlerbundes nahm er zwischen 1966 und 1980 achtmal an dessen Jahresausstellungen teil. Anschließend arbeitete Andreas Brandt als freischaffender Maler und lehrte von 1982 bis 2001 als Professor für Textilgestaltung an der Hochschule für Bildende Künste Hamburg. In seiner künstlerischen Entwicklung orientierte er sich an Gottfried Benns Forderung: „Wenn man die Adjektive weglässt, wird das, was man sagen will, klarer.“ Was der von Brandt sehr bewunderte Dichter als Notwendigkeit seiner expressionistischen Generation erkannte – nämlich „das Weglassen qualitativer Adjektive, die viel Raum einnehmen“ –, trifft vielleicht sogar noch mehr auf konstruktives Bilddenken zu. Denn wenn das Gemälde nicht auf eine bekannte Darstellung verweist und keinen narrativen Inhalt hat, ist das künstlerische Produkt Informationsgehalt, und seine Betrachtung, die auf maximale Erfassbarkeit abzielt, sollte nicht durch eine Bedeutungsinterpretation getrübt werden. Diese Beobachtung gilt auch für die Werke von Andreas Brandt.

Inspiriert von amerikanischen Malern der Moderne wie Barnett Newman und Ad Reinhardt, entwickelte Brandt schon früh in seiner Karriere eine einzigartige Bildsprache, die die wesentlichen Elemente der Bildraumgestaltung betonte. Er experimentierte mit der systematischen Anordnung von tiefschwarzen oder grauen Streifen auf weißem Grund und wechselte dabei zwischen Quer- und Hochformat. Ende der 1960er-Jahre gab Brandt die Darstellung der äußeren Realität auf und entwickelte eine höchst persönliche, konzeptuelle Bildsprache, die sich durch eine harmonische und präzise systematische Struktur sowie eine reduzierte Farbpalette auszeichnet. Anfänglich arbeitete er ausschließlich mit vertikalen Streifen im Querformat, bevor er horizontale Linien und Hochformate einbezog. Sein Werk besticht nicht nur durch die sorgfältig strukturierten Streifen und das subtile Zusammenspiel der Farben, sondern auch durch eine ruhige Poetik und ein Raumgefühl, das Weite und Unendlichkeit evoziert. Für Brandt ist die Arbeit auf der Leinwand daher ein Prozess, der Konzentration, die Sublimierung von Emotionen und eine gewisse meditative Leichtigkeit erfordert.

Indem er sich auf gerade Linien und gleich breite Streifen vor monochromem Hintergrund beschränkte, galt Brandt als einer der radikalsten Vertreter der konkreten Malerei. Ihn interessierte das Gleichgewicht der Flächen und das Verhältnis der Farben, wodurch er eine unerwartete Räumlichkeit und Elemente schuf, die für viele Betrachter zu vibrieren scheinen. Beim Vorbeigehen an einem Werk verändert sich der Farbeindruck, wie Schall, der sich im Raum ausbreitet. So scheint die Struktur in visuelle Bewegung versetzt zu sein. Trotz ihres Rahmens öffnet sich die Oberfläche von Brandts Werk durch eine Abfolge von Harmonien, Rhythmen und Bewegungen. Er nutzte malerische Mittel, um rationale Kompositionsmethoden mit Rhythmus und Klangfülle zu verbinden und erzeugte so mitunter den Eindruck, einer Bach-Etüde zu lauschen. Sein Hauptziel war es, „das Bild als Bild mit den Mitteln des Bildes“ zu schaffen, wie er 1970 in einer Publikation der Diogenes Galerie in Berlin erklärte. Beim Betrachten eines Werkes von Brandt sucht man nach dem Übergang von innen nach außen und von außen nach innen, obwohl es kein Außen und kein Innen mehr gibt. Beim Betrachten versucht man zu verstehen, was dennoch real, aber unerreichbar ist.

Werke in Museen und öffentlichen Sammlungen

Josef-Albers-Museum, Bottrop, Deutschland

Berlinische Galerie, Berlin, Deutschland

Hamburger Kunsthalle, Deutschland

Auswahl der Hauptausstellungen

2004, Andreas Brandt – Minimale Farbklänge, Arithmeum, Bonn, Deutschland

2004, Minimalismus und danach III, Daimler Chrysler Contemporary, Berlin, Deutschland

2003, Halt und Vielfalt, Kunsthalle, Halle, Deutschland

2001, Arithmeum, Bonn, Deutschland

994, ACP Viviane Ehrli Galerie, Zürich, Schweiz

•1990, Paris, Gilbert Brownstone et Cie, Paris, Frankreich

1986, Galerie Teufel, Köln, Deutschland

1980, Christel Gallery, Stockholm, Schweden

1975, Galerie Wentzel, Hamburg, Deutschland

1970, Diogenes Galerie, Berlin, Deutschland


Eine Auswahl an Drucken ist im Shop erhältlich

Vorherige
Vorherige

Nicholas Bodde

Im Folgenden
Im Folgenden

Marcelle Cahn (1895–1981)