FELIX DEL MARLE
Geboren 1889, gelebt und gestorben 1952.
Félix Del Marle ist ein wandlungsfähiger Künstler und einer der wenigen Vertreter des französischen Futurismus, obwohl diese italienische Bewegung von Marinetti in Paris ins Leben gerufen wurde.
1912 ließ er sich in Paris nieder, wo er Apollinaire kennenlernte und sich mit Gino Severini anfreundete, mit dem er zeitweise sein Atelier teilte. Im selben Jahr trug er mit dem „ Futuristischen Manifest gegen Montmartre“. Seine Werke aus dieser Zeit betonen die Themen Transport, Geschwindigkeit und synkopierte Bilder des urbanen Lebens in einer Ästhetik, die dem Kubismus noch sehr nahesteht. Wie Severini („Nord-Süd“, 1913, Galleria di Turino) maß er der Metro, einem Symbol der Moderne, besondere Bedeutung bei. In „ Metrostation Montparnasse“stellt er die Nord-Süd-Linie dar, die zwischen 1910 und 1912 eröffnet wurde und Montmartre mit dem damals als moderner geltenden Montparnasse verband. Schilder und Wegweiser verschmelzen mit Werbung und in ihre Zeitungen vertieften Reisenden. Ein weiteres Werk aus dieser Zeit zeigt die Station Orsay (oder Orléans) durch ein dynamisches Ineinandergreifen von Metallträgern und farbenfrohen Formen.
In den 1920er Jahren distanzierte sich Del Marle vom Futurismus und wandte sich der deutschen Gruppe Simplicissimus sowie František Kupka zu. 1925 gründete er in Lille die Gruppe und Zeitschrift Vouloir, die sowohl regionalistisch als auch gemäßigt avantgardistisch ausgerichtet war. Im selben Jahr hielt er einen Vortrag über Henri Valensi, den Begründer des Musicalismus, einer Bewegung, die die Verbindungen zwischen Malerei und Musik erforschte.
Ab 1926 Vouloir und Del Marle der De-Stijl und dem Neoplastizismus zu. Er kontaktierte Mondrian, um Artikel in der Zeitschrift zu veröffentlichen, und besuchte ihn in seinem Pariser Atelier. Im selben Jahr reiste er mit César Domela in die Niederlande und lernte dort die Architekten Gerrit Rietveld und J.J.P. Oud kennen.
Anschließend realisierte er mehrere Architekturprojekte, darunter die L’Esthétique Moderne in Lille und Léonce Rosenbergs Wohnung in Paris. 1928 gründete er in Lille die STUCA-Gruppe (mit Gorin, Domela, Mondrian u. a.), die eine neue Synthese von Kunst und Industrie anstrebte, in dynamischer Parallele zum Geist des Bauhauses, das er 1926 besucht hatte.