Rezension von Henri Prosi

Vom 11. Januar bis zum 10. März 2018

Ein erneuter Blick in das Atelier des Malers veranlasste uns, Werke aus den 1970er und 80er Jahren zu präsentieren. Die Wiederbetrachtung dieser Arbeiten mit ihren gebrochenen Linien, den ausgeschnittenen und zusammengeklebten Leinwänden, mal gespannt, mal ungespannt, ist von ihrer Lebendigkeit überwältigt. Und doch ist die Struktur vorhanden, die Schnitte sind sauber und ordentlich, selbst in der Montage auf der Leinwand, trotz des Linienwirrwarrs. Dieses lebendige Ganze zieht den Blick magisch an und weckt ihn. Wir verweilen länger, um zu erfassen, was vor unseren Augen tanzt. Prosi war ein dynamischer und energiegeladener Mensch, stets in Bewegung.

Domitille d'Orgeval beschreibt hier treffend sein Werk und den Künstler:
Seit seinen Anfängen Mitte der 1960er-Jahre näherte sich Henri Prosi der Geometrie nicht, weil er sie als Verkörperung moralischer Wahrheit oder absoluter geometrischer Ordnung sah, sondern vielmehr wegen ihrer vitalen Dimension. Über seine frühen geometrischen Gemälde sagte der Künstler: „Es gibt eine dynamische Handlung, etwas geschieht. Für mich wird es lebendig. Wie Menschen, die einander auf der Straße begegnen, wie das Leben.“ Diese Dynamik, die auf der Dialektik der Beziehungen beruht, prägt das gesamte Werk des Künstlers. Prosi erforschte ihre unendlichen Möglichkeiten mit einer erstaunlichen Erneuerungskraft und untersuchte dabei abwechselnd das Zusammenspiel von Farben (reduziert auf Primärfarben und Schwarz und Weiß), Rechtecken, Quadraten, Vertikalen und Horizontalen, Körpern und Leerräumen, wobei er stets einen bestimmten Aspekt des Werkes hervorhob, sei es seine Struktur, seine Oberfläche oder seine Konturen.