Bauduin - Stempfel
Störung
Vom 17. Mai bis zum 30. Juni 2018
Stempfel und Bauduin, die für die Ausstellung „Troublement“ zusammengeführt wurden, verleihen den Wänden der Galerie Lahumière einen skurrilen Humor. Obwohl sie beiden recht unterschiedlichen ästhetischen Welten angehören, sind ihre Werke, die eine gemeinsame Vorliebe für Ironie und Exzess erkennen lassen, von einer ähnlichen kritischen Haltung gegenüber der Geometrie geprägt.
Bauduins Werk, das sich durch große Einzigartigkeit und formale Zurückhaltung auszeichnet, entzieht sich jeder eindeutigen Kategorisierung und bewegt sich an der Schnittstelle von Minimal Art, Konzeptkunst und Land Art. Im Zentrum seines Ansatzes steht das Bedürfnis, sich von der geometrischen Abstraktion zu distanzieren, um zu einer neuen künstlerischen Praxis überzugehen, die er 1975 „Déposer“ (Entmachten) nannte. Mit diesem Schlüsselwort, das sein gesamtes Werk durchzieht, meint Bauduin „einen Raum zu schaffen, um jegliche Gegensätze aufzulösen, jegliche Dualität zwischen Schein und Sein an der Oberfläche der Dinge zu tilgen“. Seine „Ablagerungen“, die in der Natur, an einem Denkmal oder auf einem Dokument stattfinden können, nutzen subtile und unerwartete formale und intellektuelle Gegenüberstellungen, die den Betrachter zum Nachdenken anregen. Dies gilt für die Megalithen, die er anhand alter Postkarten erfasst hat und die er umfunktioniert hat, indem er ein Glasquadrat „abgelagert“ hat. Dieses ist hier einfach vor riesigen Steinblöcken und neben Figuren aus der damaligen Zeit gezeichnet, um den Maßstab zu verdeutlichen. Das Glasquadrat, physisch in der Natur „abgelagert“, ist ein reflektierendes Medium, das eine Dialektik des Sichtbaren und Unsichtbaren sowie eine ganz besondere Beziehung zu Zeit, Ort und Geschichte etabliert, ohne jemals einen bestimmten Standpunkt aufzuzwingen. Die Serie „Die Behausungen“ entspricht ebenfalls einer Arbeit über Erinnerungsorte. Hier wird die Behausung in ihrer einfachsten, ja archaischen Form durch einen Granitblock mit Giebelspitze evoziert. Dessen Reliefumriss, an der Wand dargestellt, präsentiert dem Betrachter eine abstrakte Übertragung der räumlichen Realität. Die „Erdzeichnungen“, maßstabsgetreue Modelle von Aktionen im Freien oder Verkörperungen zukünftiger Projekte, erinnern mit ihrer raffinierten und minimalistischen Natur an den Mikrokosmos der Zen-Gärten, in die der Künstler in Japan zahlreiche Interventionen vorgenommen hat. Sie verdeutlichen auch die Bedeutung, die der Begriff „Geometrie“ für Bauduin hat – ein Wort, das in seiner ursprünglichen Bedeutung auf die ihm so wichtigen Vorstellungen von Erde und Messung verweist. Einige Werke des Künstlers sprechen den Betrachter direkter an, wie etwa die Serie „Ausgehöhlte Rahmen“ (2012–2013). Diese Rahmen, ihrer Leinwand beraubt, öffnen sich zur Wand hin: Bedeckt mit wirren Worten, verleihen sie Bauduins Werk eine poetische Sensibilität und einen Hauch von Absurdität, der an Duchamp erinnert. Einer der ausgehöhlten Rahmen, durch den anstelle der Leinwand ein Klapplineal steckt, fängt den Ton dieser Kunst perfekt ein, die mit fein abgestimmter Bescheidenheit zwischen Maß und Übermaß oszilliert.
In einem anderen, aber nicht ohne spirituelle Affinität, hat sich auch André Stempfel von der geometrischen Orthodoxie distanziert, indem er Humor in sein Werk einfließen ließ und seine Vorliebe für das Unerwartete unter Beweis stellte. Sofort fällt die ausschließliche Verwendung von Senegal-Gelb auf, dessen leuchtende Energie über die Leinwand hinausstrahlt. Diese monochrome Palette wurde, ähnlich wie die Kleins, zu seinem Markenzeichen, auch wenn er sich gelegentlich einige Abweichungen erlaubte, indem er sparsam ein paar Zentimeter Blau und Weiß hinzufügte. Die Grenzen der traditionellen Leinwand auszuloten, scheint eines von Stempfels Hauptzielen zu sein, und mit unermüdlicher Fantasie erfindet er die Inszenierung seiner oft sequenziell konzipierten Gemälde immer wieder neu. Hier manipuliert er die Leinwand, die in der Mitte unterbrochen wird, um einen Teil des Keilrahmens freizulegen; dort löst er sie vom Träger, um die Rückseite zu enthüllen, die, nicht ohne einen Hauch von Frechheit, mit Punkten bedeckt ist. Stempfel zeigt zudem eine ausgeprägte Neigung, die Zweidimensionalität zu verlassen und den umgebenden Raum zu erkunden: Beispiele dafür gibt es viele, vom farbigen Band, das über die Leinwand hinausragt, bis zum mit einem Schachbrettmuster verzierten Quadrat, das, bestrebt, sich von der Leinwand zu lösen, beinahe umzukippen scheint. Diese Idee, dass Malerei mit den Gesetzen der Schwerkraft ringt – ein Motiv, das Stempfels Werk so stark prägt –, findet sich auch in seinen Skulpturen wieder, insbesondere in der Art, wie er Sockel belebt, indem er mit ihrem unausweichlichen Fall zu Boden spielt. Die spielerische und disruptive Geometrie des Künstlers kommt in der Serie gefalteter und gerollter Gemälde vollends zum Ausdruck, in der das Kunstwerk diesmal seine Autonomie zu erlangen scheint, indem es sich von der Wand löst. Stempfels geometrische Variationen, die beständig versuchen, ihrem eigenen Schicksal zu entfliehen und die Grenzen ihrer Existenz immer weiter zu verschieben, haben etwas Jubelndes an sich.
Domitille d'Orgeval