Strukturen und Brüche

Charles Bézie und André Stempfel

Vom 15. Mai bis zum 11. Juli 2025

Für diese neue Ausstellung haben wir uns entschieden, Werke von Charles Bézie und André Stempfel einander gegenüberzustellen, zwei Künstler, deren Herangehensweisen zwar unterschiedlich sind, die aber auf einer tiefgründigen Infragestellung der Malerei basieren, die sie einer rigorosen und radikalen Untersuchung unterziehen.

Für Bézie und Stempfel wird die Leinwand zum Experimentierfeld und zum Raum der Reflexion. Ihre Bildsprache entfaltet sich durch eine bewusste Reduktion der Mittel: eine begrenzte Farbpalette und raffinierte geometrische Formen, Elemente, die über scheinbare Einfachheit hinausgehen und unendliche Perspektiven eröffnen. Indem sie die Spannungen zwischen Struktur und Spontaneität, zwischen Begrenzung und Freiheit erforschen, erweitern sie die Grenzen des Mediums und erfinden dessen Wesen neu. Ihre Arbeit wirft grundlegende Fragen auf: Wie sollen wir Malerei verstehen? Ist sie einfach ein zweidimensionales Rechteck? Auf den ersten Blick mag es so scheinen. Doch die Kunst der Künstler liegt in ihrer Fähigkeit, das Sichtbare zu transzendieren, eine Empfindung hervorzurufen, die unsere unmittelbare Wahrnehmung übersteigt.

Charles Bézie betrachtet die Leinwand als dynamisches Feld, strukturiert durch ein Netz von Linien und variierenden Stärken. Durch Schichtung und Transparenz erzeugt er einen Dialog zwischen Opazität und Licht, zwischen Spannung und Balance. Seine Kompositionen, die durch ein Spiel von Verflechtungen und Kreuzungen entstehen, sind um ein Zentrum herum organisiert und dehnen sich zu den Rändern hin aus. Diese zentrifugale Bewegung transformiert die Leinwand: Die durch diese Schnittpunkte entstehenden Bänder und Vertiefungen brechen die starre Autorität des Rechtecks ​​und suggerieren einen Raum, der überfließt, sich öffnet und den traditionellen Rahmen neu konfiguriert. Bézie inszeniert eine Vision, die aus dem Mikrokosmos des Zentrums zu einem unendlichen Makrokosmos erblüht und die physischen Grenzen der Malerei neu definiert.

Was von Bézies Werken ausgeht, ist eine Vibration, ein Rhythmus, der aus der Schichtung ihrer Pinselstriche entsteht. Der Blick wird eingeladen, zu schweifen, die sich formende Struktur aus der Nähe zu entschlüsseln und aus der Ferne eine wimmelnde Unordnung wahrzunehmen, die Tiefe, Raum und Form erzeugt. Ihre Leinwände suggerieren vor allem eine visuelle Partitur: eine Vielzahl winziger Zeichen, die sich zu einem Netzwerk entfalten, das zugleich strukturiert und fein kodiert ist.

André Stempfel hingegen erforscht das Medium mit einem eher haptischen, skulpturalen Ansatz. Er destabilisiert die Konturen des Gemäldes, indem er Brüche, Keile oder Falten einfügt, die die Leinwand in ein fließendes, sich bewegendes Objekt verwandeln. Wo Bézie ein inneres Netzwerk konstruiert, dekonstruiert Stempfel äußere Grenzen: Er führt Drehungen und Spiralen ein und spielt mit der Plastizität des Bildträgers, um eine beinahe organische Materialität freizulegen. Durch bewegliche Rahmen entfalten sich seine Werke im Raum und beleben die Leinwandoberfläche mit einer unerwarteten Vitalität.

Stempfels Werke provozieren, fordern unsere Wahrnehmungsgewohnheiten heraus und präsentieren uns Bilder, die auf den ersten Blick paradox erscheinen. Eine Leinwand, von der eine geordnete Linie sich löst, ein Gemälde auf Holz, dessen eine Ecke umgefaltet ist und den Keilrahmen freigibt; Formen werden zu Materie, deren Eigenschaften Stempfel erfindet. Wie in einem wissenschaftlichen Experiment, das einen konstanten Faktor zur Messung von Variablen benötigt, wählt Stempfel Leinwand und die Farbe Gelb als feste Bezugspunkte, um mit Humor materielle und konzeptuelle Grenzen zu hinterfragen und zu erweitern. Sein Werk konzentriert sich darauf, die offensichtlichen Reize, die unsere Erwartungen prägen, zu unterlaufen und Gesten und Formen zu schaffen, die in ihrer emanzipatorischen Dynamik schweben.

Was diese beiden Ansätze vereint, ist die unermüdliche Erforschung der Grundlagen der Malerei. Beide setzen sich mit der Oberfläche auseinander, diesem zunächst durch vier gerade Linien begrenzten Gebiet, um dessen Grenzen zu verschieben und seinen Horizont zu erweitern.