Neue Realitäten

Universelle Realitäten

Olle Baertling, Félix Del Marle, Jean Dewasne, Georges Folmer, Jean Gorin, Auguste Herbin, Robert Jacobsen, Jean Leppien, Alberto Magnelli, Edgar Pillet und Victor Vasarely

Vom 8. März bis zum 10. Mai 2025

Text von Serge Lemoine

Nach der Befreiung von Paris erlebte die Kunstszene eine neue Blütezeit: Galerien und Salons lockten Künstler aller Generationen, Herkunftsländer und Stilrichtungen in die französische Hauptstadt. Der 1946 gegründete Salon des Réalités Nouvelles nahm dabei eine Sonderstellung ein und spielte eine bedeutende Rolle. Er widmete sich ausschließlich der geometrischen Abstraktion, die sich in einer Phase rasanten Wachstums und Erneuerung befand, mit Herbin als ihrer führenden Figur.

Der Salon des Réalités nouvelles begrüßte alle neuen und experimentellen Strömungen, die zu dieser Zeit aufkamen, von der prinzipienfesten konkreten Kunst Zürichs bis hin zur argentinischen Madí-Bewegung, die reich an Fantasien war.

Diese Ausstellung präsentiert elf Künstler verschiedener Generationen und Hintergründe: Auguste Herbin, der aus dem Fauvismus kam, ein Pionier des Kubismus und ein Freund Picassos am Bateau-Lavoir war; Alberto Magnelli und Félix Del Marle, die vor 1914 aktiv waren und dem Futurismus nahestanden; Jean Gorin, der erste französische Schüler Mondrians und einer der ersten Maler, der sich dem Relief zuwandte; Jean Leppien, der ein Schüler Kandinskys am Bauhaus war; und Georges Folmer, ein Kubist der Zwischenkriegszeit, der zum abstrakten Maler wurde.

Zu dieser ersten Gruppe schlossen sich fünf Künstler der neuen Generation an, die nach der Befreiung ihre Arbeit begannen und besonders von der Kunst Auguste Herbins beeinflusst waren: die beiden Franzosen Jean Dewasne und Edgar Pillet; der Schwede Olle Baertling; der dänische Bildhauer Robert Jacobsen; und der ungarische Maler Victor Vasarely, ein Schüler des Mühely, des Bauhauses in Budapest, der sich als Grafiker und Werbegrafiker in Frankreich niedergelassen hatte und zur Führungsfigur der Gruppe werden sollte. Jeder Künstler ist somit mit einem für sein Schaffen in den 1950er-Jahren charakteristischen Werk vertreten, das eine große Vielfalt aufweist und keinen einheitlichen Stil, sondern vielmehr eine gemeinsame Vision der neuen Realitäten offenbart.

 

Serge Lemoine, 2025