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Hans-Jörg Glattfelder

Vom 16. September bis zum 7. Oktober 2023

Ein Kunstwerk, das sein Schöpfer der Tradition der konkreten Kunst zuordnen möchte, zeichnet sich durch strenge Strenge aus.
Traditionell ist diese Strenge geometrischer Natur, doch kann sie – meiner Meinung nach mit innovativeren Ergebnissen – auch auf die universellen Energien und Strukturen der Natur zurückgreifen: Fülle und Leere, Innen und Außen, Sichtbares und Unsichtbares, Einfaches und Vielfältiges und letztlich alle erdenklichen Kontraste und Strukturen.

Fast dreitausend Jahre lang galt Aristoteles' Diktum, Kunst solle die Natur nachahmen. Vor allem die konkrete Kunst schaffte die Mimesis durch eine regelrechte Revolution ab. Doch Revolutionen laufen Gefahr, zur Gewohnheit zu werden und ihre Kraft zu verlieren.

Um diesem Schicksal zu entgehen, bedarf es ständiger Anstrengung, die Sprache zu erneuern und Konventionen aufzubrechen. Genau das habe ich mit „Regenbogentropfen“ versucht. Das Werk zeigt zwölf Elemente, die sich sehr langsam um sich selbst drehen. Ihre Bewegung bewegt sich an der Schwelle zwischen Sichtbarem und Unsichtbarem. Der Betrachter wird aufgefordert, seine Sehschärfe zu schärfen, was die Durchdringung von Blick und Geist symbolisiert. Welche edlere Funktion könnte man sich für ein Kunstwerk vorstellen?

HJ Glattfelder August 2023