EIN RÜCKBLICK
Jean Leppien
Vom 14. März bis zum 13. Mai 2026
Eröffnungsempfang am 14. März von 18 bis 20 Uhr
Ein abstraktes Gemälde stellt nichts dar; es existiert unabhängig. Es ist eine Welt, die in keiner Beziehung zur sichtbaren Form der Dinge steht. Das abstrakte Werk enthält Linien, Formen und Farben, jede mit ihrem eigenen Ausdruck. Durch rein malerische Mittel erzeugt es eine Atmosphäre, eine Stimmung, die dem Betrachter völlige Freiheit für seine eigene Interpretation lässt, bedingt durch das Zusammenspiel von Formen und Farben.
Dieses Werk verzichtet auf die Darstellung der Welt, um eine andere, eine spirituelle Realität sichtbar zu machen. Die Bezeichnung „abstrakte Malerei“ ist eine Konvention. Auch die Begriffe „nicht-figurative Malerei“, „konkrete Malerei“ und „absolute Malerei“ sind möglich und bedeuten letztlich dasselbe. Während die Malerei, die Objekte darstellt und beschreibt und Ereignisse erzählt, die sichtbare Welt lediglich (mehr oder weniger) kopiert, erschafft die abstrakte Malerei frei, einem inneren Bedürfnis folgend, das, was unsichtbar sein mag, aber dennoch existiert. Sie ist keine Malerei, die sich von der Realität entfernt. Der Ausgangspunkt eines abstrakten Werkes ist stets nicht-figurativ und liegt im Werk selbst. Ist die Realität dieser unanfechtbaren Ausdrucksformen – wie Rot, Blau, Gelb, oben, unten, rechts, links, Bewegung, Rhythmus, Harmonie, Raum und Balance – nicht ebenso Teil der Welt und des Lebens der Menschen wie die Objekte? Ist der Akt des Sehens nicht gleichbedeutend mit Handeln? Ist abstrakte Kunst wie Musik?
Abstrakte Malerei lässt sich tatsächlich mit Musik vergleichen. Was unsere Ohren längst akzeptiert haben, müssen unsere Augen nun lernen: die Existenz einer unabhängigen und absoluten Schöpfung. (…)
Jean Leppien in „Kandinsky, Bloc, Deyrolle, Istrati, Leppien, Mortensen, Poliakoff“
Ausstellung in der Staatlichen Schule für Kunst und Handwerk, Saarbrücken – 19. März 9. April 1954. Organisiert von Herta Wescher und Jean Leppien.