Jean Dewasne
oder Rational Abstraction
Vom 10. Juni 2022 bis zum 25. Februar 2023
Museum für Moderne Kunst von Paris
Jean Dewasne, geboren 1921 in Lille, gilt als einer der Meister der konstruktiven Abstraktion. Nach einem strengen klassischen und musikalischen Studium schrieb er sich an der École des Beaux-Arts in Paris ein, wo er zwei Jahre lang Architekturkurse besuchte, bevor er sich der Malerei zuwandte. 1950 war er gemeinsam mit Auguste Herbin an der Gründung des Salon des Réalités Nouvelles beteiligt.
1951 schuf er seine erste Antiskulptur: ein konvexes oder hohles Volumen, das mit Industrielack überzogen war. Ihn faszinierten die Glanz- und Matteffekte von Industrielacken (Glycerophthallack, Lacke, Kaltemaille) und die verschiedenen Bildträger (Aluminium, Hartfaserplatten, Metalloberflächen wie Auto- oder Lkw-Chassis). Er bezeichnete sich selbst als „Maler des Industriezeitalters“. Er verwendete geometrische abstrakte Formen in intensiven Farben und betonte dabei die Primärfarben. Wie sein Freund Victor Vasarely entwickelte Jean Dewasne ein rationales, beinahe mathematisches Werk, das er „plastische Ensembles“ nannte, ohne sich jedoch auf Kreise, Quadrate und Dreiecke zu beschränken.
Bekannt für seine großformatigen, ausgesprochen modernen Wand- und Monumentalkompositionen, die mit Architektur- und Stadtplanungsprojekten verbunden sind, war er verantwortlich für die Farbgestaltung des Centre Pompidou (1970), diverse Dekorationen für die Renault-Zentrale (1975), U-Bahn-Stationen in Hannover (1975) und Rom (2000) sowie die monumentalen Fresken der Grande Arche de la Défense (1989).
Im Jahr 2011 wurden sein Werk und sein Archiv dem Staat geschenkt, der das Eigentum an Jean Dewasnes Werken an zahlreiche französische Museen übertrug, darunter das Musée d'Art Moderne de Paris, das ihm in der Vergangenheit zwei Ausstellungen widmete: 1969 "Dewasne: Wandmalereien" und 1975 "Dewasne: Antiskulpturen männlicher Gehirne" im ARC.