Berechnungen und Visionen – Gemälde und Skulpturen

Charles Bézie – Isabelle de Gouyon Matigno

Vom 15. Januar bis zum 27. Februar 2016

In dieser Ausstellung wollten wir grundverschiedene Ansätze zur geometrischen Abstraktion beleuchten: einerseits kalkulierte Reflexion, andererseits eine empirische Methode, bei der der Akt das Denken transzendiert.
Charles Bézie und Isabelle de Gouyon Matignon gehen in der Konzeption ihrer Kunst sehr unterschiedlich vor.
In den neuesten Gemälden, die wir in der Galerie präsentieren, greift Charles Bézie ein Thema wieder auf, das er bereits in den 1990er-Jahren erforschte: die Orthogonalen. Damals waren nur Grau-, Blau- und Schwarztöne präsent. Diesmal gestaltet Charles Bézie sein „Orthos“ spielerischer; Farbe ist wieder präsent, in Form von Primärfarben vor einem dominanten schwarzen Hintergrund. Gelb, das nach seinem ersten Auftreten in den auf weißem Grund geschaffenen Werken mit dem Titel „Die Primärfarben“ fast 30 Jahre lang verschwunden war, kehrt zurück. Charles Bézie konstruiert seine Gemälde mithilfe von Zahlen (der Fibonacci-Folge oder dem Goldenen Schnitt), aber auch von rechten Winkeln oder Primärfarben; die Konstruktion seiner Werke ist eine Entwicklung, die mit einem kalkulierten Entwurf verbunden ist.
Obwohl sie sich im Bereich der Geometrie bewegt, geht Isabelle de Gouyon Matignon in der Bildhauerei einen radikal anderen Weg an die Konzeption ihrer Werke heran. Ihre Skulpturen erscheinen ihr als Visionen, die sich ihr als Einheit aufdrängen. Ihre eindringliche Präsenz zwingt die Künstlerin, sie im Raum zum Leben zu erwecken, zunächst auf Papier, dann auf Karton und schließlich in Metall, entweder als massive Formen oder nur hohl, sodass lediglich ihre Umrisse sichtbar sind.
Die Konzeption ihrer Werke basiert auf einem empirischen Prinzip, anders als die von Charles Bézie. Isabelle de Gouyon Matignon behandelt Leere und Fülle gleichgültig; der Sockel ihrer Skulpturen verrät ein Ungleichgewicht, das sie zerbrechlich macht; er schwankt und lässt die geometrische Konstruktion zögernd erscheinen, wie eine unsichere Idee.